Presse

 

 

Wiener Zeitung

Freitag,8.10.2011

Werfrings Weinjournal 

Ein Tröpfchen für den Tenno

  • Das Weingut Kaiser in Kleinhöflein bei Eisenstadt hält für vielerlei Geschmäcker herrliche Rebensäfte mit vorzüglichem Preis-Wert-Verhältnis bereit. Überregionale Bekanntheit erlangte der Betrieb mit einem Gewächs, das dem japanischen Monarchen gewidmet ist.




© Martina Lex © Martina Lex

In Kürze wird der Bruder des japanischen Tenno, Prinz Hitachi, in der Stadt Tajimi, südlich von Tokio, eintreffen. Es ist geplant, dass seine kaiserliche Hoheit bei dieser Gelegenheit auch das Spitzenprodukt aus dem burgenländischen Weingut Kaiser, eine Rotweincuvée mit dem Namen "Tenno", verkosten wird.
Die spezielle Benennung der Cuvée hat familiengeschichtliche Gründe. Im Jahr 1938 fasste der burgenländische Bauernsohn Stefan Kaiser den Entschluss zu emigrieren. Geplagt von Liebeskummer wollte er damals ganz einfach weit weg von daheim. Seinem christlichen Herkommen gemäß entschloss sich der junge Mann, sich mit seinen Kenntnissen einem Kloster in der japanischen Stadt Tajimi zur Verfügung zu stellen.
Im Gepäck hatte er unter anderem burgenländische Edelreiser, die er in Tajimi anpflanzte, um aus deren Erträgnissen Messweine und sonstige Rebensäfte für die Mönche der Missionsstation zu keltern. Folgende Rebsorten baute Kaiser in Japan an: Portugieser, Rotmuskateller, Moselriesling, Sauvignon, Rose Italia, Napoleon, Melo, Mirus, Breiton, Brilland, Koshu, Beri Herbert und Muskat Beri. Die aus ihnen erzeugten Weine erlangten alsbald auch über das Missionshaus hinaus Beliebtheit. Wie berichtet wird, wurden sie von so gut wie jedem Konsulat in Japan und sogar von der japanischen Herrscherfamilie geschätzt.
Kurt Kaiser an der Balustrade des neuen Winzerschlössels in Kleinhöflein bei Eisenstadt.

Kurt Kaiser an der Balustrade des neuen Winzerschlössels in Kleinhöflein bei Eisenstadt.© Martina Lex Kurt Kaiser an der Balustrade des neuen Winzerschlössels in Kleinhöflein bei Eisenstadt.© Martina Lex

Nach 14-jähriger Tätigkeit als Missionswinzer kehrte Kaiser in die burgenländische Heimat zurück und legte dort den Grundstein für das heutige, beachtliche 30 Hektar umfassende Familienweingut. Dessen Sohn, Rudolf Kaiser, der den Betrieb 1977 übernommen hatte, entschied sich in Anbetracht dieses bemerkenswerten historischen Hintergrundes im Jahr 1997, seinem besten Wein den Namen "Tenno" zu geben. Prompt wurde dieser edle 1997er zum burgenländischen "Landessieger" gekürt.
Auch international ist das Weingut Kaiser mit dem "Tenno" erfolgreich und exportiert ihn unter anderem nach Deutschland, in die Schweiz, nach Liechtenstein und in den asiatischen Raum bis nach China und Taiwan, insbesondere freilich nach Japan. Nachdem mehrere japanische Zeitung wie "Japan Times" und "Kyodo News" darüber berichtet hatten, wurden im Vorjahr sogar von zwei japanischen Filmteams über den "Tenno"-Wein aus Kleinhöflein Fernsehbeiträge gestaltet.
Wie ich mich kürzlich im Kleinhöfleiner Weingut überzeugen konnte, wird der "Tenno" im aktuellen 2009er Jahrgang seinem Namen vollauf gerecht: Die Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Zweigelt, Blaufränkisch und Syrah ist bei zugleich massivem Körper elegant geprägt, sie besticht durch bestens ausgereifte Tannine, feine Dunkelfrucht und ihren anhaltenden Abgang .
Indes hat das Weingut Kaiser schon im 6-Euro-Segment – und sogar darunter – erstaunliche Qualitäten anzubieten. Soeben auf den Markt gekommen ist ein herrlicher Jungwein mit dem Namen "Erste Krönung". Völlig bestechend ist der ausbalancierte 2010er Welschriesling, der aus einer kalkgeprägten Riede kommt und mit seiner überraschend straffen Prägung sowie mit seiner wunderbaren Mineralität überzeugend unter Beweis zu stellen vermag, dass der Welschriesling gänzlich zu Unrecht als spritziges Leichtgewicht in Verruf gekommen ist.
Im Rotweinbereich sei neben dem schon erwähnten "Tenno" im Premiumsegment ganz besonders auf den "Leithaberg DAC Blaufränkisch" aus dem hervorragenden 2009er Jahrgang hingewiesen, dessen stimmige Dunkelfrucht und herrliche Säurestruktur für reinstes Trinkvergnügen sorgen. Ausgebaut wurde dieses Tröpfchen sowohl in kleinen als auch in großen Holzfässern. Sehr preisgünstig und besonders zu empfehlen ist auch der saftige 2009er Zweigelt mit einladenden Heidelbeer- und Kirschanklängen.
Dass Kleinhöflein zu den österreichischen Weinorten mit der größten Bandbreite an guten Erzeugnissen gehört, wird im Weingut Kaiser schließlich durch beeindruckende Süßweine nachvollziehbar. Wiederum ist hier ein Extrembeispiel im herausragenden Preis-Wert-Gefüge hervorzuheben: Die Weißburgunder Spätlese 2009 ist ganz einfach ein entzückender Wein mit unkompliziertem Trinkfluss. Alle, die glauben, dass Süßweine nur schwer verdaulich seien, können sich hier vom Gegenteil überzeugen. Meine Kostnotiz dazu: Einladende exotische Duftnoten mit leichter Bananendominanz im Anschluck, dahinter Marillen- und Blütenhonigeinsprensel, auch zarte nussige Nuancen, reichliches Vergnügen bereitet das vitale Süß-Säure-Spiel, die Säure schwingt in allen Phasen munter und passend mit, gutes Volumen, sehr angenehmer Nachhall.
Unterstützt von seinem Vater ist heute der junge Kellermeister Kurt Kaiser für den Ausbau der Rebensäfte verantwortlich. Mittlerweile hat er auch die Umstellung auf ein biologisch-organisches Weingut erfolgreich über die Bühne gebracht. Warum er diesen Schritt gewagt hat? "Ich habe gemerkt, dass die Weinbergsbewirtschaftung mit konventionellen Spritzmitteln meinem Organismus nicht gut tut", sagt Kurt Kaiser. Erst unlängst, als er einen Weingarten mit einem Fencheltee-Auszug besprühte, sei ein Wanderer auf ihn zugekommen und habe ihm rückgemeldet, dass der herrliche Fenchelduft, von dem die ganze Rebfläche erfüllt war, im Vergleich zu der sonst üblichen Giftwolke die reinste Wonne sei.
Im neuen Weingut gibt es temporär einen Heurigen, der in der wärmeren Jahreszeit auch auf die Dachterrasse (mit schönem Panoramablick bis zum Neusiedler See und über die Wulkaebene bis zum Schneeberg) ausgedehnt wird. Der Heurige hat von 27. bis 30. Oktober wieder geöffnet und bietet Erzeugnisse aus allerlei regionalen Produkten, unter anderem aus Kaisers eigener Jagd.
Info: T:02682/671 00, www.weingut-kaiser.at



Top-Wein Tenno


Japan Times, Thursday, Dec. 31, 2009

Tenno wine all the way from Austria

VIENNA (Kyodo) In the eastern Austrian province of Burgenland, winegrower Rudolf Kaiser and his son, Kurt, produce a high-quality red named Tenno, which means "emperor" in Japanese.

Imperial flavor: Tenno reds have received rave reviews. KYODO PHOTO


The story of why they chose that name dates back to 1938, when Rudolf Kaiser's father, Stefan, decided at the age of 28 to leave Austria and go "as far away as possible."
He entered the Steyler mission, a Christian order also named the Society of the Divine Word, and worked in the mission's vineyards in Japan.
In summer 1938, now known as Brother Matthias, he settled in Tajimi, Gifu Prefecture, after a six-week journey. In his luggage were Austrian, German, Italian, Greek and Spanish vines.
The Steyler mission had started growing wine in the area five years earlier and supplied all Christian monasteries in Japan with altar wine.
Stefan Kaiser's enthusiasm for growing grapes led to an improvement in both the quality and size of the vineyard.
During World War II, the wines were also delivered to the German and Italian embassies as well as the old Imperial Household Ministry because supplies from abroad had been cut off. Whether Emperor Hirohito, known posthumously as Showa, drank the wine is not known.
The local climate — hot and humid — and a superior with whom he did not get along forced Stefan Kaiser to leave the mission in the early 1950s and return to Austria.
"Back here again he had to start from scratch," his 27-year-old grandson said.
Stefan Kaiser in 1953 started to produce wine at his own winery near Eisenstadt, the capital of Burgenland, and step by step his farm grew in size. He even cultivated vines he had brought back from Japan.
"It was an extremely dark red vine, nearly black," says Rudolf Kaiser, 56, who took over the farm in 1977. The wine from the Japanese grapes was mixed with local wine.

Fruit of the vine: Rudolf Kaiser and his son, Kurt, give a tour of their winery in Eisenstadt in the eastern Austrian province of Burgenland on Dec. 11. KYODO PHOTO

"But in the year of the (Austrian) wine scandal, in 1985, the wine law got stricter," he said, and because some of the natural substances in the Japanese grapes were not permitted under the new law, this part of the winery had to be cleared.
In 1978, Rudolf Kaiser decided to focus on producing high-quality wines and managed to become a supplier for several of Austria's top restaurants.
One day, years after his father had died in 1989, a colleague advised him to search for a proper and distinctive name for his excellent wines.
That was when he remembered the Japanese vineyard and his father's stories about producing wine in Japan.
Because he wanted his best wine to have a historical background and with his family name and the Japanese word "tenno" both meaning "emperor," the choice was easy.
The first Tenno wine, a 1997 vintage, went to market in 1999. The wine, made from cabernet sauvignon, Blaufraenkisch and Zweigelt, was chosen as one of the nation's best wines in the Salon Austrian Wine competition for 2000 to 2001. The following vintages also got high ratings in national wine guides and gourmet magazines.
Tasting the wine, Kurt Kaiser describes an aroma of plums, red currant, blackberry, a hint of dark chocolate, cinnamon and vanilla, and the roast aroma it gets from being kept in wooden barrels made of Austrian and German oak.
A bottle costs around in Austria and the wine is exported to Germany, Switzerland, Liechtenstein, Taiwan and China.
The 24-hectare vineyard produces about 160,000 bottles — 80 percent red and 20 percent white — each year. Roughly 4,000 to 9,000 bottles are filled with Tenno.